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1
Encolpius wird als Hauslehrer engagiert. Lichas und Tryphäna halten ihm einen lautlosen Vortrag. Währenddessen betrachtet Encolpius Giton, den Sohn der beiden. Giton flirtet verschämt per Augenkontakt mit Encolpius.
2
Giton schreibt, Encolpius diktiert lateinische Grammatik, verhaspelt sich aber ständig, weil er Giton betrachtet.
3
Giton liegt auf dem Bett. Encolpius setzt sich ans Bett und betrachtet ihn. Er merkt, dass Giton noch wach ist.
ENCOLPIUS Allmächtige Venus, wenn du mir erlaubst, diesen Jungen zu küssen, ohne dass er etwas davon merkt, so will ich ihm morgen ein Taubenpärchen schenken.
Giton gibt Schnarchlaute von sich. Encolpius küsst ihn mehrmals.
4
Exakte Wiederholung der Szene 2, nur dass diesmal ein Käfig mit einem Taubenpärchen da steht. Taubengurren.
5
Exakte Wiederholung des Beginns von Szene 3.
ENCOLPIUS Allmächtige Venus, wenn ich ihn mit der Hand berühren darf, ohne dass er etwas davon spürt, schenke ich ihm für sein Erdulden morgen einen rauflustigen Kampfhahn.
Encolpius berührt Giton überall mit den Händen.
6
Exakte Wiederholung der Szene 4, nur dass diesmal noch eine Kiste mit Löchern da steht. Scharren und Hahnenlaute.
7
Exakte Wiederholung des Beginns von Szene 3.
ENCOLPIUS Allmächtige Venus, wenn ich bei diesem Schlafenden die volle ersehnte Lust genießen darf, dann will ich ihm morgen für dieses Glück ein prächtiges Pferd schenken, allerdings nur unter der Bedingung, dass er nichts merkt.
Encolpius küsst und streichelt Giton, dann schlüpft er zu ihm unter die Decke und beginnt ihn zu nehmen.
8
Exakte Wiederholung von Szene 6, nur ist diesmal Giton beleidigt und Encolpius vom schlechten Gewissen geplagt.
GITON Nun, Herr, wo bleibt denn das Pferd?
9
Giton liegt im Bett, Encolpius schleicht zu ihm ins Bett und will Giton berühren.
GITON Schlafe, oder ich sage alles meinen Eltern.
Encolpius berührt Giton.
GITON Gleich weck ich meine Eltern.
Encolpius macht weiter, Giton lässt es sich gefallen, stösst ihn aber dann von sich.
GITON Du hast mich getäuscht. Aber ich bin nicht so wie du. Wenn du willst, mache ich es nochmal.
Encolpius schickt sich an, Giton zu nehmen, hört aber auf, weil er müde ist.
GITON Willst du nicht?
Sie machen es, dann schläft Encolpius ein. Giton weckt Encolpius, der wütend reagiert.
GITON Warum nicht nochmal?
ENCOLPIUS Schlafe, oder ich sage alles deinen Eltern.
Sie schlafen beide ein.
10
Die Eltern stehen vor dem Bett, in dem das Liebespaar immer noch schläft. Encolpius wacht auf und erschrickt.
EINS
Ein Zimmer mit zwei Betten. In einem schläft Ascyltos, in dem anderen Giton und Encolpius. Letztere wollen sich lieben, aber brechen immer wieder ab, weil sie befürchten, dass Ascyltos aufwacht. Schliesslich steht Encolpius auf und verlässt das Zimmer. Ascyltos steht nach einer Weile auf, schleicht sich zu Gitons Bett und will ihn vergewaltigen. Giton schreit und wehrt sich. Encolpius tritt auf und prügelt sich mit Ascyltos, bis sie erschöpft daliegen. Giton hat sich ängstlich im Bett verkrochen.
ENCOLPIUS Ascyltos, ich finde, wir passen nicht zusammen. Teilen wir also unsere Habe und suchen wir, jeder für sich, mit unserer Armut fertig zu werden.
ASCYLTOS Na schön, morgen werde ich mich, da du es nun mal willst, nach einem anderen Quartier und einem anderen Freund umsehen.
ENCOLPIUS Was einmal beschlossen ist, soll man nicht aufschieben.
Sie teilen ihre Habe auf, dann geht Ascyltos ab. Encolpius geht zu Giton ins Bett. Sie wollen sich lieben, da kommt Ascyltos zurück.
ASCYLTOS Das also nennst du brüderlich teilen!
Sie beginnen sich wieder zu prügeln. Giton geht dazwischen und führt sie beide zum Bett. Er legt sich zwischen sie und küsst beide.
ZWEI
1
Man hört Quartilla immer wieder rufen “Haltet den Dieb!“ Ascyltos rennt über die Bühne, er hat einen Mantel in der Hand. Encolpius taucht aus einem Versteck auf, Ascyltos wirft ihm den Mantel zu und rennt weiter. Encolpius zieht seine Lumpen-Tunika aus und den Mantel an. Inzwischen ist Quartilla aufgetaucht, die Ascyltos verfolgt. Sobald sie weg ist, kommt Encolpius aus seinem Versteck und geht in die andere Richtung.
2
Eine andere Stelle. Encolpius allein mit seinem neuen Mantel. Ascyltos taucht auf.
ASCYLTOS Da bist du ja. Wo ist deine Tunika?
ENCOLPIUS Die hab ich weggeworfen.
ASCYLTOS Du Idiot!
ENCOLPIUS Die war doch schon so schäbig –
ASCYLTOS Hast du vergessen, dass wir im Saum dieses Kleidungsstückes unsere gesamte Barschaft eingenäht haben?
ENCOLPIUS Verdammt! Und was nun?
ASCYLTOS Wir müssen den Mantel verkaufen.
ENCOLPIUS Nein!
ASCYLTOS Doch!
Sie zerren an dem Mantel, bis er einen Riß bekommt.
ASCYLTOS Idiot!
ENCOLPIUS Selber Idiot!
ASCYLTOS Stinkiger Strichjunge!
ENCOLPIUS Geiler Gladiator!
ASCYLTOS Mitternächtiger Straßenräuber!
ENCOLPIUS Impotenter Lump!
Sie schauen sich böse an und müssen plötzlich lachen.
3
Eine andere Stelle. Encolpius und Ascyltos stehen in einer Ecke und bieten den Mantel an. Den Riß verdecken sie geschickt. Weiter entfernt verkauft eine Händlerin alten Kram, unter anderem die schäbige Tunika.Verschiedene Leute treten auf, begutachten den Mantel und gehen dann weiter. Schließlich kommt Tryphäna vorbei, kauft bei der Händlerin die Tunika und mustert dann den Mantel. Encolpius erkennt sie und versteckt sich hinter dem Mantel. Ascyltos fällt auf, dass Tryphäna die Tunika bei sich hat, und er versucht Encolpius darauf aufmerksam zu machen. Während Ascyltos nun mit Tryphäna um den Mantel verhandelt, schleicht Encolpius zu der Tunika und befühlt sie. Die Barschaft ist noch darin. Er gibt Ascyltos ein Zeichen. Ascyltos lenkt weiter ab, Encolpius will die Toga stehlen. Tryphäna dreht sich aber in dem Moment zu ihm um. Encolpius versteckt sich hinter der Toga. Ascyltos reagiert und bietet durch Zeichen einen Tausch der Kleidungsstücke an. Tryphäna ist einverstanden. Psyche ist inzwischen vorbeigekommen und hat den Mantel wiedererkannt. Sie reisst ihn Ascyltos aus den Händen.
PSYCHE Räuber, Räuber, packt sie!
Ein Advokat kommt.
ADVOKAT Was gibt es hier?
PSYCHE Der Mantel hier wurde meiner Herrin gestohlen.
ENCOLPIUS Und diese Tunika wurde uns gestohlen.
ADVOKAT Ihr wollt diesen Lumpen wiederhaben, der nicht einmal soviel wert ist wie ein guter Flicken?
Der Advokat lacht lauthals.
ASCYLTOS Jedem ist sein Eigentum lieb. Gibt man uns unsere Tunika zurück, so erhält die Dame von uns ihren Mantel wieder.
PSYCHE Einverstanden.
TRYPHÄNA Na hören Sie mal. Ich habe die Tunika immerhin bezahlt.
Tryphäna will die Tunika an sich reißen, Encolpius wehrt sich.
ADVOKAT Beide Gegenstände müssen zunächst bei mir hinterlegt werden. Der Richter wird die Sache morgen untersuchen, denn es geht ja nicht nur um die strittigen Kleidungsstücke, sondern auch um den Verdacht des Diebstahls.
Der Advokat nimmt den Mantel. Psyche traut ihm nicht.
ADVOKAT Ich werde ihn morgen schon wieder herausgeben.
Der Advokat reisst Encolpius die Toga weg und wirft sie von sich. Psyche fängt sie.
ADVOKAT Um den Lumpen hier könnt ihr euch gern weiter streiten.
Der Advokat geht lachend ab. Quartilla tritt ihm in den Weg und dann in die Eier und nimmt ihm den Mantel weg. Ascyltos will die Tunika nehmen, aber Psyche stößt ihn weg. und rennt davon. Inzwischen hat Tryphäna Encolpius erkannt.
TRYPHÄNA Der Verführer und Entführer meines Sohnes!
Sie will sich auf ihn stürzen, aber Psyche schneidet ihr den Weg ab, so dass die beiden Männer flüchten können. Psyche rennt ebenfalls davon und lässt eine schimpfende Tryphäna zurück.
DREI
Die drei Männer liegen wieder in einem Bett, Giton in der Mitte. Plötzlich klopft es wild an der Tür. Sie schrecken auf.
ENCOLPIUS Wer ist da?
PSYCHE Öffne, und du wirst es sehen.
Encolpius will aufstehen, aber Ascyltos hält ihn zurück. Man hört die Tür bersten, dann erscheint Psyche. Ascyltos will protestieren, aber sie wirft ihm die Tunika ins Gesicht.
PSYCHE Ihr habt wohl geglaubt, ihr könntet euch über mich lustig machen? Ich bin die Magd der Priesterin Quartilla, deren Gottesdienst vor der Grotte ihr gestört und deren Mantel ihr gestohlen habt. Sie kommt gleich selbst hierher, um mit euch zu sprechen. Aber keine Angst! Sie klagt euch nicht an und will eure Verfehlung auch nicht bestrafen. Allerdings möchte sie gern wissen, welcher Gott so unverschämte junge Leute in ihre Gegend geführt hat.
Schweigen. Quartilla tritt auf, bekleidet nur mit ihrem Mantel. Sie setzt sich auf das Bett.
QUARTILLA Was für eine Frechheit! Aber glaubt nicht, ich wäre gekommen, um mich zu rächen. Eure Jugend bewegt mich mehr als alle mir zugefügte Kränkung. Ich will annehmen, ihr wußtet nicht, was ihr tatet, als ihr das unsühnbare Verbrechen begingt. Ihr seid in die heilige Grotte des Priapos eingedrungen-
ENCOLPIUS Ich nicht.
QUARTILLA Schweig. Gott Priapos fordert ein Opfer, um dein Verbrechen zu sühnen.
ENCOLPIUS Aber ich –
QUARTILLA Schweig, sag ich.
Quartilla setzt sich mit dem Rücken zum Publikum auf das Bett, schlägt den Mantel zurück und drückt Encolpius Kopf in ihren Schoß, während dieser sich zu wehren versucht. Giton und Ascyltos wollen aus dem Bett gehen, da schneidet Psyche ihnen den Weg ab, greift Ascyltos in den Schritt und stößt ihn zurück aufs Bett.
Es folgt eine Choreografie, in der die fünf Personen in allen möglichen Stellungen und Konstellationen Sex haben. Nur angedeutet, schnelle Wechsel. Am Ende liegen die Männer völlig erschöpft da.
ENCOLPIUS Ich bitte dich, Gebieterin, wenn du etwas Schlimmes vorhast, so mach schnell. Unser Verbrechen war doch gewiß nicht so schwer, dass wir unter Folterqualen sterben müssten.
Psyche bearbeitet Encolpius´ schlaffes Glied, das nicht mehr stehen will. Quartilla, die Giton geküsst und liebkost hat, reicht Encolpius ein Fläschchen.
QUARTILLA Trink das.
ENCOLPIUS Was ist das?
PSYCHE Stendelwurz.
Encolpius trinkt.
ENCOLPIUS Nicht übel, das Zeug.
Er trinkt die Flasche leer, während Ascyltos, der mit dem Kopf unter der Decke liegt, sich regt.
ASCYLTOS Warum bekomme ich keinen Stendelwurz zu trinken?
PSYCHE Er hat die ganze Medizin allein getrunken!
QUARTILLA Wirklich, hat Encolpius den ganzen Stendelwurz ausgetrunken?
Die Frauen lachen. Encolpius´ Glied unter der Decke ist extrem angeschwollen. Während sich Quartilla mit Encolpius und Giton vergnügt, reibt Psyche Ascyltos´ Glied mit den letzten Tropfen des Stendelwurz ein und macht sich dann über ihn her.
Schließlich liegen die Männer wieder erschöpft da.
QUARTILLA Was denn, ihr wollt doch nicht etwa einschlafen? Wißt ihr denn nicht, dass diese ganze Nacht dem göttlichen Priapos geweiht ist?
Die Frauen schicken sich an, wieder aktiv zu werden, die Männer stöhnen.
VIER
Die Vorderbühne bildet einen Flur mit Sitzgelegenheiten. Im Hintergrund Wände (eventuell mit Sprüchen aus dem Buch beschrieben). Dazwischen eine Öffnung, die ausschnittweise Einblick in den Saal gewährt, in dem Trimalchios Gastmahl stattfindet. Dort sieht man Trimalchio mit jemandem, der nicht zu sehen ist, Ball spielen.
Der Köchin tritt von der Seite auf in den Flur , Ascyltos und Encolpius mit sich führend. Sie befördert die beiden in die Sitzgelegenheiten. Sie beobachten das Ballspiel.
KÖCHIN Das ist der Mann, bei dem ihr speisen werdet. Hier seht ihr bereits das Vorspiel des Gastmahls.
Trimalchio schnipst mit den Fingern, ohne das Spiel zu unterbrechen.. Ein Sklave kommt mit einem Topf, den er so hält, dass Trimalchio darin seine Blase entleeren kann. Dann hält er ihm eine Schale mit Wasser hin, in die Trimalchio seine Fingerspitzen eintaucht. Dann trocknet er die Hände am Haar des Sklaven ab. Während des ganzen Vorgangs geht das Ballspiel weiter.
Schließlich wirft Trimalchio den Ball weg und legt sich auf ein Kanapee. Der Sklave massiert ihn. Dann lässt er sich von dem Sklaven in einen roten Mantel hüllen, auf Kissen betten und eine edle Fransen-Serviette umbinden. Dann legt der Sklave ihm Schmuck an, Kettchen, Armreife, Ringe usw. Eine Sklavin kommt und schenkt Wein aus. Der Sklave und die Sklavin singen. Als die Sklavin gerade Trimalchio einschenkt, kommt die Köchin von der Seite und macht der Sklavin ein Zeichen. Die Sklavin kommt in den Flur, die Köchin bedeutet ihr stumm, die beiden Männer Wein trinken zu lassen. Die Sklavin tut es und geht wieder in den Saal.
TRIMALCHIO Liebe Freunde, eigentlich hatte ich noch gar keine Lust, schon jetzt zur Tafel zu kommen. Weil ich euch aber nicht allzulange warten lassen wollte, habe ich mir alles Vergnügen versagen müssen. Erlaubt bitte, dass ich erst einmal das Spiel zu Ende bringe.
Der Sklave kommt mit einem Spielbrett, hölzernen Spielsteinen und Würfeln. Trimalchio schickt ihn mit den Spielsteinen und Würfeln weg, dann kommt der Sklave zurück mit Gold- und Silbermünzen und Würfeln aus Edelstein. Er beginnt mit dem Sklaven zu spielen, nebenbei erzählt er schlechte Witze und lacht am lautesten darüber. Die Sklaven und Gäste lachen mehr pflichtschuldig höflich. (Einspielung vom Band?).
Die Köchin kommt mit einem Wagen, auf dem eine geschnitzte Henne auf einem Nest, in dem Pfaueneier liegen. Im Vorbeigehen reicht die Köchin den beiden Mit-Essern je ein Ei. Dann geht sie in den Saal. Trimalchio unterbricht das Spiel.
TRIMALCHIO Meine Freunde, ich habe der Henne Pfaueneier unterlegen lassen, und ich fürchte, sie sind schon ausgebrütet. Aber wir wollen trotzdem sehen, ob sie noch genießbar sind.
Encolpius und Ascyltos betrachten skeptisch die Eier, hören plötzlich ein Piepsen und halten sich das Ei ans Ohr. Sie beschliessen, es nicht zu essen. Als die Köchin wiederkommt, verstecken sie die Eier und tun so als kauten sie. Sie machen der Köchin ein Zeichen, dass es ihnen schmeckt. Die Köchin geht zufrieden ab.
TRIMALCHIO Mehr Honigwein für alle!
Die Sklavin schenkt wieder singend aus. Ascyltos winkt sie herbei. Als sie gerade sich zu ihm hinstehlen will, hört man ein schepperndes Geräusch.
STIMME EINES SKLAVEN Verzeiht, Herr.
TRIMALCHIO Aufheben!
Man hört, wie jemand etwas aus Metall aufhebt.
TRIMALCHIO Ohrfeigt ihn!
Man hört das Klatschen einer Ohrfeige.
TRIMALCHIO Fallenlassen!
Wieder das Scheppern. Der Vorgang wiederholt sich mehrmals unter Trimalchios ansteigendem Gelächter.
Die Sklavin ist im Seiteneingang verschwunden und kommt jetzt mit einem Wagen voller Weinamphoren wieder. Im Vorbeigehen schenkt sie den beiden Mit-Essern etwas ins Glas.
SKLAVIN Hundertjähriger Falerner, Jahrgang des Opimius.
TRIMALCHIO Raus mit dir! – Wie ihr seht, hat jeder von euch seinen eigenen Tisch bekommen. So werden wir weniger unter der Hitze zu leiden haben, die diese stinkigen Sklaven durch ihr Gedränge verursachen.
Die Sklavin betritt den Saal. Trimalchio klatscht in die Hände.
TRIMALCHIO Ach, der Wein lebt länger als wir geplagten Menschen. So wollen wir uns richtig vollaufen lassen. Im Wein ist Leben. Echten Opimianer kriegt ihr. Gestern gab es nicht so guten, dabei waren feinere Leute da.
Die Sklavin reicht Trimalchio einen Totenkopf. Man hört Staunen aus der Menge. Trimalchio hebt den Totenkopf wie ein Glas.
TRIMALCHIO Ach, wir Armen, ach! Der Mensch ist doch ein Nichts! Hat der Orkus uns verschlungen, werden solch Gerippe wir. Darum laßt uns froh genießen, solang es uns vergönnt.
Applaus. Trimalchio trinkt aus dem Totenkopf.
Die Köchin erscheint mit dem Wagen und einem weiteren Mitesser, plaziert diesen und stellt eine Platte vor die Mitesser hin.
KÖCHIN Ich bitte euch, greift nur tüchtig zu, denn das gehört sich so bei einem Gastmahl.
Die Köchin geht mit dem Wagen in den Saal. Die drei Mitesser untersuchen skeptisch das Essen auf der Platte. Im Saal geht das Gastmahl weiter.
TRIMALCHIO Ich bitte euch, greift nur tüchtig zu, denn das gehört sich so bei einem Gastmahl.
ASCYLTOS Ascyltos. Und das ist mein Freund Encolpius.
PROCULUS Gajus Julius Proculus. Mir ging es früher sehr gut, das dürft ihr mir glauben. Ich hatte schon mal eine Million beisammen, aber dann ging es bergab mit mir. Heute gehört mir nicht mehr ein einziges Haar auf meinem Kopf. Aber, beim Herkules, ohne meine Schuld. Meine Freigelassenen, diese Schufte, haben kräftig in die eigene Tasche gewirtschaftet. Und als mein Geld futsch war, waren auch die Freunde weg. Ich betrieb einmal ein ehrenwertes Geschäft, ich war nämlich Begräbnisunternehmer. An meinem Tisch ging es königlich zu. Ganze Schweine, feine Backwaren und Geflügel. Ich hatte erstklassige Köche und Konditoren. Bei mir wurde mehr Wein unter den Tisch geschüttet, als andere im Keller haben. Es war phantastisch.
TRIMALCHIO Laßt euch den Wein gut schmecken. Fische wollen schwimmen. Glaubt ja nicht, dass mich das Essen allein befriedigt, und sei es auch so gut wie das unsere eben.
Man hört gekünsteltes Lachen, verhaltene Zustimmung und einzelne Klatscher. Plötzlich lässt Trimalchio mehrmals einen gewaltigen fahren. Man hört Hüsteln, Stöhnen und ähnliche Reaktionen. Die Mitesser kichern, im Verlauf von Trimalchios Rede steigert es sich zu einem kaum unterdrückten Lachen.
TRIMALCHIO Ihr müßt schon entschuldigen, Freunde, aber seit einiger Zeit ist mein Magen nicht ganz in Ordnung. Die Ärzte wissen nicht, was es ist. Manchmal brüllt es in meinen Gedärmen, als wäre ein Ochse drin. Wenn einer von euch ein Bedürfnis verspüren sollte, bitte geniert euch nicht. Ich finde, es gibt keine größere Qual als das Zurückhalten. Ich habe nichts dagegen, dass man sich bei Tisch Erleichterung verschafft. Die Ärzte verbieten das Zurückhalten geradezu. Übrigens, falls etwas mehr kommen sollte, draußen steht alles bereit. Wasser, Nachtstühle und die übrigen Kleinigkeiten. Glaubt mir, die Blähungen steigen zu Kopf und erzeugen einen Fluß im ganzen Körper.
Nachdem das Lachen der Mitesser verklungen ist, herrscht eine Weile eine unangenehme Stille. Trimalchio läßt sich von der Sklavin Wein nachschenken.
TRIMALCHIO Wenn euch der Wein nicht schmeckt, lass ich anderen holen. Ihr sollt es gut haben bei mir. Bacchus sei Dank brauche ich ihn nicht zu kaufen. All das, woran ihr euch jetzt gütlich tut, wächst auf einem meiner zahlreichen Landgüter. Ich kenne es übrigens noch gar nicht.
Trimalchio lacht über seinen Scherz, die Gäste lachen mit. Der Sklave kommt mit einem Wasserkrug und will Trimalchio was in den Becher einschenken. Trimalchio wirft seinen Becher auf den Boden.
TRIMALCHIO Du Schafskopf! Auf der Stelle haust du dir eine runter.
SKLAVE Ich bitte um Vergebung, Herr.
TRIMALCHIO Warum bittest du mich? Als ob ich dir was tun wollte!
Nach einigem Zögern ohrfeigt sich der Sklave. Da Trimalchio nichts sagt, wiederholt er es mehrmals.
TRIMALCHIO Das reicht. Und nun bedank dich.
SKLAVE Danke.
TRIMALCHIO Wasser raus, Wein rein!
Der Sklave geht, die Sklavin kommt, bringt Trimalchio einen neuen Becher und schenkt Wein ein. Die Mitesser stellen fest, dass ihre Becher leer sind und versuchen, die Sklavin auf sich aufmerksam zu machen. Sie nimmt sie aber nicht wahr und verschwindet wieder.
Man hört Schritte und Stimmen aus der Seite.
FORTUNATA Bärenbraten!
KÖCHIN Es schmeckt genau wie Wildschwein.
FORTUNATA Neulich gabs welchen bei Sevir Habinas. Scintilla hat ihn nicht vertragen, sie kotzte wie ein Reiher.
KÖCHIN Meiner ist frisch und magenschonend.
FORTUNATA Trotzdem. Irgendwie dekadent.
KÖCHIN Wieso? Ich sage mir, wenn so ein Bär einen Menschen frißt, warum soll nicht der Mensch den Bären fressen?
Die Köchin taucht mit dem Wagen und einer riesigen Platte auf. Sie macht den Mitessern Zeichen. Die Mitesser verstecken sich hinter den Sitzgelegenheiten. Die Köchin geht in den Saal. Oh-Rufe und Beifall der Gäste.
MÄNNERSTIMME AUS DEM SAAL Sag mal Gajus, wo steckt eigentlich Fortunata?
TRIMALCHIO Ja, wo steckt denn meine Göttergattin?
KÖCHIN Die Herrin ist auf dem Weg, Herr.
PROCULUS Fortunata. Trimalchios Frau. Die mißt das Geld mit dem Scheffel. Und was war sie noch vor kurzem? Heute aber trägt sie den Kopf hoch und ist Trimalchios ein und alles. Würde sie am hellen Tage sagen, es sei finstere Nacht, so glaubte er es. Er selbst weiß ja nicht einmal, wieviel er eigentlich hat, so unheimlich reich ist er. Aber dieses Weib passt auf alles auf, nichts entgeht ihr –
Fortunata kommt von der Seite. Kurz darauf kommt die Sklavin aus dem Saal. Fortunata zieht sie an sich, liebkost ihr Haar, küsst sie und ähnliches. Die Köchin kommt mit dem Wagen aus dem Saal und geht durch die Seite ab.. Die zwei Frauen lassen sich dadurch nicht stören. Sie beginnen auf den Sitzgelegenheiten allerhand Dinge zu treiben, dabei kommen sie den Mitessern bedenklich nahe.
TRIMALCHIO Fortunata! Wo bleibst du?
Die Frauen unterbrechen ihr Spiel.
FORTUNATA Hol meinen Schmuck.
Die Sklavin geht an der Seite ab. Fortunata ordnet sich und geht dann in den Saal. Oh-Rufe und Beifall der Gäste.
SCINTILLA Fortunata, meine Liebe.
FORTUNATA Scintilla!
SCINTILLA Dass man dich auch wieder mal zu sehen kriegt.
FORTUNATA Und, wie hat dir der Bärenbraten geschmeckt?
SCINTILLA Köstlich, meine Liebe, einfach köstlich.
Die Sklavin kommt von der Seite, mit einer Schmuckschatulle. Sie schaut auf die Sitzgelegenheiten und lacht.
SKLAVIN Hat euch die kleine Vorstellung gefallen? Ihr könnt jetzt auch wieder aus eurem Versteck kommen. Ich werde euch schon nicht verraten.
Die Sklavin geht in den Saal. Sie bleibt sichtbar. Die Mitesser verlassen ihr Versteck.
Parallel zur folgenden Handlung im Saal passiert im Flur: Die Köchin kommt von der Seite, stellt einen Teller mit Bärenbraten vor die Mitesser und geht wieder ab. Die Mitesser essen davon, fühlen sich nicht sehr wohl und kotzen schließlich hinter die Sitzgelegenheiten.
Im Saal sieht man Fortunata, wie sie der Sklavin einen Wink gibt. Die Sklavin öffnet daraufhin die Schmuckschatulle. Man hört Scintilla ein erstauntes Ohh! ausrufen.
FORTUNATA Alles aus reinem Gold.
TRIMALCHIO Seht euch nur mal die Fußfesseln dieses Frauenzimmers an. So werden wir Dummköpfe geschröpft.
Trimalchio lacht schallend, die Gäste lachen mit. Während sich Fortunata viel Bein zeigend von Trimalchio die Fußringe anlegen lässt, geht das Gespräch weiter.
SCINTILLA Mein Mann ist auch sehr großzügig. Sieh nur diese Perlenohrringe. Keine Frau kann schönere haben.
Fortunata schaut nicht einmal hin.
MÄNNERSTIMME VON VORHIN Keine Ruhe hat sie mir gelassen, bis ich ihr die Glasbohnen gekauft habe. Hätte ich eine Tochter, die Ohren ließe ich ihr abschneiden. Wenn die Weiber nicht wären, gäbs alles für einen Dreck, so aber heißts: Warm pissen, kalt trinken.
TRIMALCHIO Will denn niemand meine Fortunata zum Tanz auffordern? Ich sage euch, keine tanzt besser als sie.
Musik. Fortunata beginnt zu tanzen. Scintillas Mann kommt zu ihr und tanzt mit, wobei er ihr immer nahe zu kommen versucht. Sie entzieht sich ihm. Schließlich holt sie Scintilla auf die Tanzfläche, die sich erst geniert und kichert, dann aber mittanzt. Ihr Mann zieht sich wütend zurück. Der Tanz der beiden Frauen wird immer ausgelassener und lasziver, schließlich geht Fortunata auf Tuchfühlung und nimmt sich einiges heraus. Scintilla läßt es geschehen.
Musik aus. Die beiden Frauen verlassen kichernd den Saal. Die Mitesser verstecken sich wieder hinter den Sitzgelegenheiten, wobei sie in ihre eigene Kotze treten. Die Frauen schäkern unter Küssen und Umarmungen. Später wieder Musik.
FORTUNATA Ich bin die tüchtigere Hausfrau als du.
SCINTILLA Dafür habe ich unzählige Liebhaber. Und mein Mann ist völlig ahnungslos.
Sie lachen. Plötzlich muß Scintilla aufstoßen.
SCINTILLA Der Bär.
Sie lachen. Plötzlich muß Scintilla würgen, rennt zu den Sitzgelegenheiten und kotzt dahinter. Man sieht, wie die Mitesser sich in Sicherheit bringen.
DIE MÄNNERSTIMME IM SAAL Scintilla!
Scintilla versteckt sich hinter den Sitzgelegenheiten. Ihr Mann kommt aus dem Saal, sieht Fortunata, kommt gierend auf sie zu, packt sie, wirft sie auf die Sitzgelegenheiten, schiebt ihr Gewand hoch und will sich auf sie legen. Scintilla ist aufgestanden und schaut sich hilflos um. Encolpius reicht ihr den Teller, sie schlägt ihm dem Mann auf den Kopf. Der Mann bricht zusammen. Scintilla kommt aus dem Versteck und bettet ihren Mann mit Hilfe von Fortunata auf den Sitzgelegenheiten. Dann gehen beide Frauen wieder in den Saal und tanzen, wo man immer mehr Gäste würgen hört. Schließlich ist auch Trimalchio schlecht.
Die Mitesser wollen sich davonmachen, da kommt die Köchin mit dem Wagen von der Seite.
KÖCHIN Nachtisch?
Sie sieht den ohnmächtigen Mann auf den Sitzgelegenheiten, schüttelt den Kopf und geht in den Saal. Encolpius und Ascyltos gehen an der Seite ab. Man hört einen Hund laut bellen und knurren. Encolpius kommt zurück, nimmt die Reste vom Bärenbraten und geht wieder ab. Dann hört man, wie der Hund aufhört zu bellen, was frisst und dann winselt.
Die Köchin kommt mit dem Wagen wieder aus dem Saal. Proculus taucht hinter der Sitzgelegenheit auf.
PROCULUS Ist noch Nachtisch da?
KÖCHIN Mehr als genug.
FÜNF
Das Zimmer mit den zwei Betten. In einem liegt Ascyltos, im anderen Encolpius mit Giton. Encolpius schläft. Ascyltos winkt Giton. Giton geht zu Ascyltos ins Bett. Sie vergnügen sich unter der Decke. Dann geht Giton zurück in Encolpius Bett. Encolpius ist inzwischen aufgewacht und traktiert Giton wütend mit Schlägen. Dann richtet er sich auf und wendet sich Ascyltos zu..
ENCOLPIUS Durch dein schändliches Verhalten hast du mich enttäuscht und unsere alte Freundschaft entgültig zerstört. Nimm sofort deine Sachen und such dir für dein schmutziges Treiben einen anderen Ort!
ASCYLTOS Einverstanden.
Sie teilen ihre Habe untereinander auf. Ascyltos nimmt ein langes Messer.
ASCYLTOS So, jetzt wollen wir auch den Jungen teilen. Du sollst nicht in den Genuß dieser Beute kommen, die du für dich allein haben willst! Auch mir gehört ein Teil davon. Da du ihn mir verweigerst, werde ich ihn mir mit dem Messer abschneiden.
Encolpius nimmt ebenfalls ein Messer. Sie bedrohen sich und kämpfen miteinander, bis Giton sich vor ihre Füße wirft.
GITON Wenn unbedingt Blut fließen muß, seht her, hier ist meine Kehle. Hierhin müßt ihr zielen. Hierhin stoßt eure Messerspitzen! Ich bin es, der sterben muß, ich habe eure Freundschaft zerstört!
Sie lassen die Messer sinken.
ASCYLTOS Ich will dem Streit ein Ende machen. Soll der Junge entscheiden, mit wem er gehen will.
ENCOLPIUS Ja, er soll sich seinen Freund selbst wählen.
Giton geht ohne lange zu zögern zu Ascyltos. Encolpius starrt ihn an, lässt das Messer fallen und wirft sich auf sein Bett. Ascyltos und Giton gehen. Encolpius bleibt zurück und weint. Dann beginnt er ein Lied zu singen.
ENCOLPIUS
Freunde besitzt du, solange du ihnen kannst Nutzen erweisen,
Wie im Spiele, bald so und bald anders, fallen die Würfel.
Lebst du im Glück, dann umschmeicheln dich Scharen von Freunden.
Geht es dir schlechter, gleich wenden sich alle von dir.
SECHS
Eine Bank. Im Hintergrund ein Schild, das auf das Bad hinweist. Encolpius sitzt traurig auf der Bank. Nach einer Weile kommt Eumolpos und setzt sich dazu. Er streckt Encolpius die Hand hin, der sie aber nicht nimmt.
EUMOLPOS Eumolpos. Ich bin ein Dichter, und, wie ich hoffe, kein unbedeutender. Immerhin habe ich schon einige Ehrenkränze erhalten. Freilich werden die oft genug auch Unwürdigen verliehen. Du wirst fragen, warum ich dann so schlecht gekleidet bin. Eben deshalb. Die Liebe zum Höheren hat noch nie jemanden reich gemacht.
Vile est, quod licet,
et animus errore lentus iniurias diligit.
Ales Phasiacis petita Colchis
atque afrae volucres placent palato,
quod non sunt faciles : at albus anser
et pictis anas renovata pennis
plebeium sapit. Vltimis ab oris
attractus scarus atque arata Syrtis
si quid naufragio dedit, probatur:
mulus iam gravis est. Amica vincit
uxorem. Rosa cinnamum veretur.
Quicquid quaeritur. optimum videtur.
Während der Rezitation hört man aus dem Off wütende Rufe. Dinge werden auf die Bühne geworfen. Encolpius ignoriert es, Eumolpos zieht den Kopf ein.
EUMOLPOS Junger Mann, das war nicht das erste Mal, dass mir so etwas passiert ist. Jedesmal wenn ich zum Deklamieren ins Theater komme, bereitet mir die Menge einen solchen Empfang. Übrigens will ich es mit dir nicht auch noch verderben, deshalb werde ich heute den ganzen Tag auf diese Kost verzichten.
ENCOLPIUS Das ist schön von dir, dass du deiner Dichtkunst abschwörst, da können wir ja zusammen essen gehen.
Giton taucht mit Ascyltos Kleidern und trauriger Miene auf. Als er Encolpius erblickt, freut er sich.
GITON Sei mir nicht böse, lieber Freund. Hol mich von diesem schrecklichen Straßenräuber wieder weg! Bestrafe mich wegen meiner leichtfertigen Entscheidung mit aller Strenge.
Giton und Encolpius gehen schnell ab. Eumolpos schaut ihnen nach und geht dann Richtung Bad ab.
SIEBEN
Ein anderes Zimmer mit zwei Betten. Encolpius tritt mit Giton auf, verriegelt die Tür und umarmt seinen Geliebten. Giton fängt an zu weinen.
ENCOLPIUS O welche Schande für mich. Obwohl du mich verlassen hast, liebe ich dich noch immer. Aber ich will alles vergessen, wenn du dich nur besserst und solche Treulosigkeit in Zukunft sein läßt.
Encolpius zieht Giton an sich und küsst ihn. Sie legen sich auf ein Bett und schlafen nebeneinander liegend ein.
Es klopft an der Tür. Encolpius wacht auf, springt auf und geht zur Tür.
ENCOLPIUS Wie viele seid ihr?
EUMOLPOS Ich bin es, Eumolpos. Ich bin allein.
Encolpius öffnet die Tür, Eumolpos, nur mit einem Handtuch bekleidet, kommt ins Zimmer und erblickt Giton auf dem Bett liegend.
EUMOLPOS Einen solchen Adonis lobe ich mir. Heute muß es uns ja gut gehen.
Eumolpos geht zum Bett, Encolpius folgt ihm. Giton wacht auf.
EUMOLPOS Du gefällst mir besser als alle, die ich heute im Bade gersehen habe.
Eumolpos will Giton berühren, Encolpius zieht ihn gewaltsam weg, so dass Eumolpos in eine Ecke fliegt. Er stöhnt, steht auf und legt sich auf das freie Bett.
EUMOLPOS Niemals ist es mir so übel ergangen wie heute. Auch im Bad hätte ich beinahe Prügel bezogen, als ich versuchte, den Leuten, die um das Bassin herum saßen, ein Gedicht vorzutragen. Die Jungen trieben ihren Spott mit mir, als wäre ich ein irrer Trottel. Unverschämt äfften sie meine Worte nach. Bevor man mich, wie schon oft aus dem Theater, aus dem Bad hinausgeworfen hat, sah ich, wie ein nackter Jüngling, dem seine Kleider abhanden gekommen waren, wütend nach einem Giton schrie. Die Menge umringte ihn und bestaunte ihn mit ehrfürchtiger Bewunderung. Sein Glied war nämlich so groß, dass man den Kerl selber übersehen konnte. Was muß das für ein geplagter Mann sein! Ich glaube, wenn der gestern angefangen hat, wird er erst morgen fertig. Verständlich, dass er sofort einen Helfer fand. Ein römischer Ritter von übelstem Ruf gab ihm seinen Mantel und nahm ihn mit nach Hause, vermutlich, um diese Seltenheit für sich allein zu haben. Mir aber wollte der Aufseher nicht einmal meine eigenen Sachen zurückgeben. Es ist eben vorteilhafter, genitalisch veranlagt zu sein als genialisch.
Eumolpos bekommt einen Lachanfall. Giton wird vom Lachen angesteckt. Encolpius schaut ihn an, Giton verstummt. Eumolpos fängt wieder an, sein Gedicht zu rezitieren.
ENCOLPIUS So also hältst du dein Versprechen, heute keine Verse zu machen. Hör endlich damit auf und verschone uns.
GITON Es ist nicht recht, einen alten Mann so zu beschimpfen. Nun hast du die Gastfreundschaft verletzt und die durch die Einladung erwiesene Freundlichkeit durch Beleidigungen entwertet.
EUMOLPOS Glückselig die Mutter, die dich geboren hat. Deine Tugenden verdienen Bewunderung! Selten findet man Schönheit und Klugheit beieinander.Glaube mir, du hast das alles nicht umsonst gesagt, in mir hast du einen Liebhaber gewonnen. Ich werde dein Lob in meinen Gedichten verkünden. Als Lehrer und Beschützer werde ich dir überallhin folgen, auch wenn du es mir nicht befehlen solltest.
Encolpius packt Eumolpos. Giton geht, von Encolpius unbemerkt, ab.
ENCOLPIUS Eumolpos, es ist mir dann schon lieber, du trägst Gedichte vor statt solcher Wünsche. Mit anderen Worten, sieh zu, dass du schleunigst wegkommst!
Eumolpos steht auf, geht zur Tür, zieht den Schlüssel ab, geht durch die Tür ab und schließt Encolpius ein. Encolpius rüttelt an der Tür, klopft und schreit.
ENCOLPIUS Giton! Giton?
Encolpius merkt, dass Giton weg ist, setzt sich auf ein Bett, weint, findet das Messer und will sich erstechen. Die Tür geht auf und Eumolpos kommt mit Giton zurück. Giton schreit, entreißt Encolpius das Messer, umarmt ihn und vertauscht heimlich das Messer gegen ein anderes.
GITON Du irrst, Encolpius, wenn du glaubst, es sei dir vergönnt, vor mir zu sterben. Ich war auch schon einmal soweit, bei Ascyltos in der Herberge habe ich nach einem Messer gesucht. Wäre ich dir nicht wiederbegegnet, ich hätte mich – Wer den Tod sucht, dem ist er nicht fern. Sieh, was du mir antun wolltest!
Giton zieht sein Messer hervor und zieht es sich mehrmals über die Kehle. Er bricht zusammen. Encolpius schreit, wirft sich über Giton, nimmt das Messer und zieht es sich selbst über die Kehle. Nichts passiert. Encolpius testet die Schärfe des Messers mit einem Finger und stellt fest, dass es stumpf ist. Giton steht auf und lacht. Eumolpos, der zunächst erschrocken ist, lacht mit, schließlich stimmt auch Encolpius in das Gelächter ein. Plötzlich steht die Wirtin in der Tür. Das Lachen verstummt schlagartig.
WIRTIN Was ist denn hier los? Seid ihr betrunken oder entlaufene Sklaven? Oder beides? Was soll diese Gaunerwirtschaft? Ihr wolltet wohl in der Nacht ausrücken, ohne zu bezahlen! Bei mir nicht! Ich werde euch zeigen, dass diese Herberge keiner schwachen Witwe gehört.
EUMOLPOS Was, drohen willst du uns?
Eumolpos zieht von hinten der Wirtin den Rock hoch und klatscht ihr mit der flachen Hand auf den Hintern. Die Wirtin vollführt eine kampfsportartige Choreografie, mit der Eumolpos ordentlich durchgeprügelt wird. Eumolpos richtet sich stöhnend auf. Die Wirtin packt ihn am Glied.
WIRTIN So, und jetzt rein in mein Bettchen, du zahlst mir brav die Zeche.
Die Wirtin zieht Eumolpos am Glied aus dem Zimmer. Giton will ihnen nach, aber Encolpius hält ihn zurück und schließt die Tür ab. Er führt Giton zum Bett.
ACHT
Die Bank und das Schild, das zum Bad hinweist. Eumolpos tritt auf. Er hat offensichtlich eine harte Nacht hinter sich. Er setzt sich auf die Bank. Bargates, der Ausrufer, tritt auf. Ihm folgt Ascyltos mit einer Schale voll Geld.
BARGATES Im Bad ist gestern nachmittag ein Knabe abhanden gekommen, ungefähr achtzehn Jahre alt, lockiges Haar, schlank und hübsch, Giton mit Namen. wer ihn zurückbringt oder angeben kann, wo er sich aufhält, erhält tausend Sesterzen Belohnung.
Sie sehen Eumolpos, aber nicht dessen Gesicht. Ascyltos macht Bargates ein Zeichen. Bargates geht zu Eumolpos und tippt ihm auf die Schulter. Eumolpos schaut hoch und erkennt Bargates.
EUMOLPOS Bargates!
BARGATES Ach, du bist es, vortrefflichster aller Poeten!
Bargates setzt sich neben Eumolpos auf die Bank.
BARGATES Meine Frau zeigt sich spröde gegen mich. Sei so gut und mache ein Spottgedicht auf sie, damit sie sich schämen muß.
Ascyltos macht Bargates wütend ein Zeichen. Bargates springt auf und folgt Ascyltos, wieder den Text ausrufend. Eumolpos wartet eine Weile, dann schleicht er in die andere Richtung weg. Ascyltos sieht das und macht Bargates ein Zeichen. Die beiden folgen Eumolpos.
NEUN
Das Zimmer vom siebten Bild. Giton und Encolpius liegen im Bett und schlafen. Es klopft an der Tür. Encolpius wacht auf, steht auf und geht zur Tür.
EUMOLPOS Ich bins, Eumolpos. Schnell, öffnet, Giton wird gesucht und ausgerufen.
Encolpius öffnet, Eumolpos kommt schnell herein und verriegelt die Tür.
ENCOLPIUS Giton, kriech unter das Bett. Klammere dich mit Händen und Füßen an die Matratzengurte und streck dich lang aus, damit man dich nicht sieht.
Giton tut, was man ihm gesagt hat. Encolpius verwischt alle Spuren, die darauf hindeuten, dass zwei Personen in dem Bett geschlafen haben. Es klopft heftig an die Tür.
ASCYLTOS Aufmachen!
Encolpius gibt Eumolpos zu verstehen, dass er still sein soll. Nach weiterem Klopfen und Rufen wird es still. Alle atmen auf, Giton will unter dem Bett hervorkriechen. Man hört Schritte und kurz darauf, wie die Tür entriegelt wird. Giton kriecht schnell zurück. Die Tür öffnet sich. Die Wirtin, Bargates und Ascyltos treten ein. Die Wirtin fixiert Eumolpos, der ängstlich reagiert. Bargates fixiert die Wirtin lüstern, und Ascyltos fixiert Encolpius skeptisch. Während die Wirtin dem aus dem Zimmer schleichenden Eumolpos folgt und Bargates der Wirtin, wirft sich Encolpius Ascyltos zu Füßen. Bargates hält die Wirtin zurück und beginnt an ihr herumzumachen.
ENCOLPIUS Um unserer alten Freundschaft und gemeinsam ertragener Not willen bitte ich dich, mir Giton wenigstens einmal zu zeigen.
Ascyltos will zum Bett, Encolpius versperrt ihm kniend den Weg und reicht ihm das stumpfe Messer.
ENCOLPIUS Ich weiß, Ascyltos, du bist gekommen, um mich zu töten. Befriedige deine Rachsucht, bitte, ich halte meinen Hals hin, vergieße mein Blut. Die Haussuchung ist doch nur ein Vorwand.
ASCYLTOS Ich habe nichts anderes im Sinn, als meinen Außreißer zu suchen. Ich trachte keinem Menschen nach dem Leben, schon gar nicht dem Mann, der mir trotz des unglückseligen Streits noch immer der Liebste ist.
Inzwischen hat sich Bargates von der Wirtin einen Besen geben lassen und stochert damit unter dem Bett herum. Encolpius sieht es und erschrickt, Ascyltos bemerkt es. Er geht zum Bett und versucht, alles mögliche, Bett rütteln, unter das Bett schauen usw. Schließlich gibt er auf.
ASCYLTOS Bargates, wir gehen.
Ascyltos, Bargates und die Wirtin wollen hinausgehen. Da muß Giton niesen.
ASCYLTOS Was war das?
Die Wirtin gibt vor zu niesen. Ascyltos dreht sich zu ihr um und geht dann mit Bargates raus. Die Wirtin zwinkert Encolpius zu und geht ebenfalls ab. Giton kommt unter dem Bett hervor und setzt sich erschöpft aufs Bett. Encolpius setzt sich daneben und nimmt ihn in den Arm. Giton legt sich hin. Encolpius deckt ihn zu, legt sich auf das andere Bett und schläft ein.
Eumolpos schleicht sich in das Zimmer, kriecht von unten unter Gitons Decke und beginnt an Giton herumzumachen. Giton lässt einen Schrei. Encolpius wacht auf, reisst Gitons Decke weg und packt Eumolpos. Eumolpos reisst sich los und rennt zur Tür.
EUMOLPOS Tausend Sesterzen kann ich mir verdienen. Ich werde dem Ausrufer nachlaufen und ihm sagen, daß Giton bei dir ist. Ihr verdient es nicht anders.
Giton geht zu Eumolpos, umarmt ihn und gibt ihm Küsse auf die Wange.
GITON In deiner Obhut, lieber Vater, in deiner Obhut stehen wir! Wenn du deinen Giton wahrhaft liebst, dann mußt du ihn retten.
EUMOLPOS Komm her. Ich gebe dir einen Kuß, und alles ist wieder gut.
Eumolpos gibt Giton einen Kuß. Es klopft an die Tür.
STIMME DES SCHIFFERS Eumolp, wo bleibst du?
EUMOLPOS Macht euer Gepäck fertig und folgt mir. Wir machen eine Schiffsreise.
ZEHN
An Bord eines Schiffes. Encolpius und der Schiffer stehen an der Reling und schauen aufs Meer hinaus.
ENCOLPIUS Es ist doch sehr unangenehm, dass der Junge meinem neuen Freund gefällt. Aber was ist dagegen zu machen?
SCHIFFER Ist nicht alles Gute und Schöne, was die Natur geschaffen hat, Gemeingut? Die Sonne scheint für alle. Der Mond mit seinem Sternenheer weist auch den wilden Tieren den Weg zur Tränke. Kann es etwas Besseres geben als Wasser? Dennoch fließt es für alle.Nur die Liebe soll Diebstahl sein und nicht Belohnung?
ENCOLPIUS Nein, ich will kein Glück genießen, um das mich nicht alle beneiden! Ein einzelner, noch dazu ein Greis, kann mir nicht gefährlich werden. Wenn er sich wirklich etwas herausnehmen sollte, so wird ihn sein Keuchen verraten.
Lichas und Tryphäna gehen an den beiden vorbei, ohne Encolpius zu sehen und zu erkennen.
LICHAS Wie hat nur unser Sohn uns an der Nase herumgeführt!
TRYPHÄNA Wenn irgendein Gott uns Giton wieder zuführte, wie gut würde ich den armen Umhergetriebenen wieder aufnehmen.
ENCOLPIUS Wer war das, und wer ist noch auf alles diesem Schiff?
SCHIFFER Das waren Lichas, dem dieses Schiff gehört, und seine Frau Tryphäna. Außer ihnen, mir und euch dreien ist niemand an Bord.
ENCOLPIUS Hab Erbarmen mit uns, wir sind des Todes. Steh uns bei. Unser Leben ist bedroht. Wenn du nicht hilfst, kann uns nur der Tod erlösen.
SCHIFFER Was drohen denn hier für Gefahren? Lichas ist ein achtbarer Mann, ihm gehört nicht nur dieses Schiff, er besitzt außerdem weitläufige Ländereien und ein großes Handelshaus. Jetzt ist er mit Handelsware unterwegs. Und Tryphäna ist eine sehr gutherzige Frau.
ENCOLPIUS Aber die sind es, vor denen wir auf der Flucht sind. Wir dürfen ihnen auf keinen Fall begegnen.Versteck uns.
SCHIFFER Nun, verstecken geht nicht. Sie haben euch zwar noch nicht gesehen, aber sie wissen, dass ich drei Passagiere an Bord genommen habe. Aber ich habe eine Idee. Höre.
Der Schiffer flüstert ihm etwas ins Ohr. Encolpius verschwindet hinter einer Tür. Lichas und Tryphäna treten wieder auf und bleiben vor dem Schiffer stehen.
LICHAS Steuermann!
SCHIFFER Herr?
LICHAS Wo sind die Passagiere, die du an Bord mitgenommen hast?
Eumolpos kommt mit Giton und Encolpius, die sich beide als Frauen verkleidet haben, durch die Tür.
EUMOLPOS Gestatten, dass ich uns vorstelle. Eumolpos mein Name. Das hier ist meine Frau Encolpi- a, und das ist unsere Tochter.
TRYPHÄNA Wie ist dein Name, schönes Kind?
ENCOLPIUS Sie ist stumm!
Lichas nähert sich Encolpius skeptisch und reißt ihm das Kopftuch weg.
LICHAS Sei gegrüßt, Encolpius.
GITON Mutter –
LICHAS Stumm, soso.
Giton reißt sich das Kopftuch weg. Tryphäna erkennt ihn und wirft sich ihm an die Brust.
TRYPHÄNA Giton, mein Junge!
LICHAS Steuermann!
SCHIFFER Herr?
LICHAS Binde die zwei Übeltäter zusammen und wirf sie über Bord!
EUMOLPOS Meine Gefährten haben mich, ich kann schon sagen, keine ganz unbekannte Persönlichkeit, mit dem Amt betraut, sie mit euch wieder zu versöhnen. Ihr glaubt doch nicht etwa, die jungen Männer seien zufällig in eure Netze gegangen –
LICHAS Wenn sie freiwillig gekommen sind, warum haben sie sich dann als Weiber verkleidet? Wer sein Aussehen verändert, hat Lug und Trug im Sinn und nicht Versöhnung. Ferner, wenn sie dich zum Fürsprecher gemacht haben, warum hast du dich dann bemüht, deine Schützlinge zu verstecken? Das beweist doch, dass ihr Übeltäter nur durch Zufall in unsere Fänge geraten seid und du nun Mittel und Wege suchst, euch vor unserem gerechten Zorn zu retten.
Inzwischen hat der Schiffer die beiden zusammengebunden. Giton holt das scharfe Messer hervor und hält es sich an den Schritt.
GITON Vater, wenn du ihnen etwas antust, schneide ich mir diese Ursache allen Übels ab.
ENCOLPIUS Giton, nein! Es ist das scharfe Messer!
Tryphäna geht auf Giton zu. Giton weicht zurück, das Messer vor sich haltend, und stürzt über die Reling. Encolpius stürzt sich ebenfalls über die Reling, den an ihn gebundenen Eumolpos mitnehmend. Der Schiffer, Lichas und Tryphäna schauen bestürzt über die Reling ins Meer.
ELF
Das Meer. Giton schwimmt, die gefesselten Freunde hinter sich herziehend, auf eine im Meer treibende Planke zu. Er erklimmt die Planke, zieht die Freunde hinauf und zerschneidet mit dem Messer den Strick. Die drei Freunde treiben auf der Planke. Encolpius umschlingt Giton und weint hemmungslos.
ENCOLPIUS Haben wir diese Strafe der Götter verdient? Soll uns erst der Tod vereinen? Aber nicht einmal das wollen uns die grausamen Mächte gönnen. Sieh, gleich werden die Wellen unsere rettende Planke zerstören, gleich reißt uns das Meer aus unserer Umarmung. Wenn du deinen Encolpius wirklich liebst, dann küsse mich, solange es noch möglich ist, entreiße dem sich erfüllenden Schicksal diese letzte Freude!
Giton küsst Encolpius und bindet den Strick um sich und ihn.
GITON Bleibt uns schon sonst nichts, so soll uns das Meer wenigstens noch für einige Zeit vereint dahintragen. Wenn es uns mitleidvoll an das gleiche Ufer spülen sollte, wird uns vielleicht ein zufällig des Weges Kommender barmherzig mit einigen Steinen bedecken, oder der Sand des Meeresgrundes wird uns beide gnädig zudecken – Diese letzte Gunst des nassen Elements ist uns gewiß.
Eumolpos, den die beiden völlig vergessen hatten, und der bewußtlos auf der Planke lag, beginnt seine Verse aufzusagen. Er rutscht langsam von der Planke, Giton hält ihn schnell fest. Eine große Welle stürzt sich auf die Planke und begräbt die drei Freunde.
ZWÖLF
Ein Ufer. Die drei Freunde liegen bewußtlos da. Eumolpos kommt zu sich und rezitiert an der Stelle weiter, an der er unterbrochen wurde.
Circe und ihre Magd Chrysis treten auf. Sie finden die Bewußtlosen und tragen sie weg. Eumolpos schaut ihnen hinterher.
EUMOLPOS Und ich?
DREIZEHN
Ein Zimmer mit einem Bett. Encolpius liegt in dem Bett. Chrysis sitzt neben ihm und tupft ihm die Stirn mit einem Tuch ab und füttert sie ihn mit Suppe, die sie ihm einlöffelt und in die sie Medizin hineingeschüttet hat.
CHRYSIS Dadurch, dass du dich für einen einfachen Sklaven ausgibst, erhöhst du deinen Reiz für meine verliebte Herrin. Manche Frauen schwärmen nämlich für Straßenlümmel, sie geraten nur dann in Erregung, wenn sie Sklaven oder nacktbeinige Laufburschen sehen. Andere geraten in Flammen beim Anblick von Gladiatoren, staubbedeckten Maultiertreibern oder Gauklern, die sich auf der Bühne produzieren. Von dieser Sorte ist auch meine Herrin.
Circe tritt auf. Sie schickt die Magd hinaus, setzt sich selbst an das Bett und streichelt Encolpius.
CIRCE Wenn du eine schöne Frau nicht verschmähst, so will ich mich dir, mein junger Freund, als Schwester zugesellen. Du hast zwar ein Brüderchen, das habe ich schon herausgefunden, allein was hindert dich das, nicht auch ein Schwesterchen zu haben? Ich will dir so nahestehen wie er. Du mußt mich nur für würdig erachten und dir auch meine Küsse gefallen lassen.
ENCOLPIUS An mir ist es, dich zu bitten, mich bei deiner Schönheit nicht zu verschmähen, einen armen Fremdling aufzunehmen in den Kreis deiner Verehrer. Du wirst sehen, wie fromm ich bin, wenn du mir erlaubst, dich anzubeten. Und damit du nicht denkst, ich käme mit leeren Händen zu diesem Tempel Amors, so schenke ich dir mein Brüderchen.
CIRCE Wie, du schenkst ihn mir, ihn, ohne den du nicht leben kannst, von dessen Küssen du abhängig bist, den du so liebst, wie ich von dir geliebt werden möchte?
ENCOLPIUS Wie heißt du, meine Göttin?
CIRCE Hat dir meine Magd nicht erzählt, dass ich Circe heiße? Ich bin zwar nicht des Sonnengotts Tochter, aber ein Geschenk des Himmels wäre es, mit dir vereint zu sein. Eine göttliche Eingebung sagt mir das. Ich bitte dich, laß dich umarmen. Du brauchst keine Angst zu haben, niemand kann uns hier beobachten, dein Brüderchen ist weit weg von hier.
Circe setzt sich auf Encolpius , küsst ihn und greift unter die Decke. Sie macht sich an seiner Mitte zu schaffen, erreicht aber nicht, was sie will.
CIRCE Was ist dir? Haben dir meine Küsse mißfallen? Bin ich vielleicht zu wenig leidenschaftlich? Oder stört dich mein Geruch? Wenn es das nicht ist – Hast du etwa Angst vor deinem Brüderchen?
ENCOLPIUS Ich bitte dich, meine Königin, verhöhne mich nicht noch zu allem Elend. Ich bin das Opfer einer Verzauberung!
Chrysis kommt herein.
CIRCE Sag mir die Wahrheit, Chrysis, bin ich etwa abstoßend? Bin ich vielleicht nicht sorgfältig zurechtgemacht? Wird meine Schönheit durch irgendetwas beeinträchtigt? Such keine Ausreden!
CHRYSIS Ich weiß wirklich nicht, woran es liegen könnte.
Circe steht auf, betrachtet sich prüfend in einem Spiegel, bringt ihr Gewand in Ordnung und geht wütend ab. Encolpius richtet sich auf und merkt gar nicht, dass er an das Bett angebunden ist. Er greift unter die Bettdecke und befühlt seine Mitte. Chrysis hebt die Decke hoch, schaut kurz drunter und wendet sich mit Kopfschütteln ab. Dann greift sie beherzt zu, aber nichts passiert. Chrysis geht ab und kommt kurz darauf mit Giton wieder, dessen Hände und Füße gefesselt sind.
GITON Encolpius!
Encolpius erkennt Giton nicht. Chrysis nimmt Gitons Kopf und steckt ihn unter die Decke. Giton bearbeitet Encolpius Glied mit dem Mund, kommt aber bald wieder unter der Decke hervor und ringt nach Atem. Chrysis wirft Giton bäuchlings auf das Bett. Encolpius legt sich auf Giton. Die Mitten der beiden sind durch die Decke verdeckt, wenn Encolpius versucht, in Giton einzudringen. Schließlich gibt er auf.
ENCOLPIUS Glaubt mir, mein Herr, ich weiß nicht, ob ich noch ein Mann bin, jedenfalls fühle ich nichts mehr davon. Dieser Teil meines Körpers, mit dem ich früher ein Achilles war, ist völlig abgestorben.
GITON Encolpius! Ich bin es, Giton!
Chrysis packt Giton und schleppt ihn hinaus. Encolpius steht auf und geht auf wackligen Beinen, so weit die Kette um den Hals es zulässt. Chrysis kommt wieder rein, mit einem großen Zuber. Sie steckt Encolpius in den Zuber, schüttet Wasser hinein, schrubbt und salbt ihn und reicht ihm Speise und Trank. Dann steckt sie ihn wieder ins Bett, löscht das Licht und geht hinaus.
Das Licht geht wieder an. Neben Encolpius liegt Circe im Bett.
CIRCE Nun, wie steht es, mein spröder Freund, geht es heute besser?
Circe greift unter die Decke. Encolpius Glied stellt sich unter der Decke auf. Chrysis kommt herein.
CIRCE Sieh nur, Chrysis, was für einen Rammler ich da aufgescheucht habe!
Chrysis verabreicht Encolpius einen Löffel Medizin und geht ab. Circe setzt sich auf Encolpius. Das Licht geht aus und wieder an. Circe liegt neben Encolpius im Bett. Chrysis tritt auf, verabreicht Encolpius wieder einen Löffel Medizin.und geht ab. Circe wacht auf.
CIRCE Nun, mein lendenlahmer Freund, wie geht es dir? Bist du heute im Vollbesitz deiner Kräfte?
ENCOLPIUS Frage nicht, überzeuge dich lieber!
Circe setzt sich auf ihn. Das Licht geht aus und wieder an. Circe liegt neben Encolpius im Bett. Chrysis tritt auf, verabreicht Encolpius wieder einen Löffel Medizin.und geht ab. Circe wacht auf. Sie schmiegt sich an Encolpius und bearbeitet seine Mitte. Nichts passiert. Circe springt auf und rennt Chrysis rufend aus dem Zimmer.
Chrysis kommt mit der Priesterin Önothea herein.
CHRYSIS – er hat einen nassen Riemen, aber kein Glied. Kurz, was hältst du von einem Mann, der das Bett der Circe verlässt, ohne sein Vergnügen gehabt zu haben?
Önothea setzt sich aufs Bett, schaut unter die Decke und schüttelt mehrmals den Kopf.
ÖNOTHEA Ich allein kann diese Krankheit heilen. Der Junge wird heute nacht bei mir schlafen. Und Priapos soll mich strafen, wenn ich ihm jenen Teil nicht hart wie Horn mache!
Chrysis geht ab. Önothea verabreicht Encolpius ein Mittel, das ihn durchschüttelt, die andere Medizin neutralisiert und ihm einern Dauerständer verleiht. Encolpius beobachtet, wie sein Glied wächst. Dann schaut er sich um, wird sich seiner Kette bewußt und gerät in Panik.
ENCOLPIUS Giton? Giton, wo bist du?
Önothea geht inzwischen zur Tür und will sie abschließen. Vorher schaut sie nochmal vorsichtig heraus. Man hört ein Geräusch, dann sackt die Priesterin zusammen. Sie wird hinausgezogen. Kurz darauf wird die gefesselte und geknebelte Circe ins Zimmer gestoßen und fällt auf den Boden. Chrysis kommt herein und umarmt Encolpius, der aufgestanden ist.
CHRYSIS Halte ich dich endlich in meinen Armen, wie ich es ersehnte. Du mein Verlangen, du meine Seligkeit! Niemals kannst du das Feuer meiner Liebe löschen, es sei denn mit deiner Rute!
Chrysis drückt Encolpius gegen die Wand und nimmt ihn heftig. Dabei reißt die Kette. Plötzlich wird die Tür mit einem wilden Stoß aufgerissen. Ascyltos, Eumolpos und Giton stehen in der Tür.
ASCYLTOS Habe ich dich endlich gefunden, geliebter Freund!
Ein Kampf zwischen den Helden und der Chrysis, die sich wie eine Furie benimmt, bricht aus. Den Schlußpunkt setzt Eumolpos, indem er Chrysis von hinten niederschlägt. Sie bricht auf dem Bett zusammen. Die Freunde umarmen sich freudig. Eumolpos beginnt sein Gedicht zu rezitieren. Plötzlich fällt sein Blick auf Encolpius immer noch steifes Glied. Er verstummt. Die anderen sehen es nun auch. Allgemeines Gelächter, in das auch Encolpius schließlich einstimmt.