DER FALSCHE PRINZ


Personen:

Labakan
Fanny
Meister Wilm
Rosshändler
Erstes Ross
Zweites Ross
Ottokar
König
Melina
Königin
Zaide

+++++

EINS Labakan. Fanny. Meister Wilm.

Labakan singend bei der Arbeit

LABAKAN.
ihr Freunde ich heiß Labakan
und bin Schneidergesell
geschickt üb ich mein Handwerk aus
mit der Nadel bin ich schnell
ich bin nicht faul näh stundenweis
in einem fort dass gar
die Nadel glüht in meiner Hand
und der Faden raucht fürwahr
fürwahr

doch manchmal träum ich dass ich etwas Besseres wäre
wär so gern Graf oder Prinz träum von Ruhm und von Ehre
hätt lieber Zepter und Krone statt Nadel und Schere
wäre so gerne von Adel
Fürst Labakan von der Nadel

doch manchmal träum ich dass ich etwas Besseres wäre
wär so gern Graf oder Prinz träum von Ruhm und von Ehre
hätt lieber Zepter und Krone statt Nadel und Schere
wäre so gerne von Adel
Fürst Labakan von der Nadel

Labakan zieht das Kleidungsstück an dem er gerade näht an
er stolziert damit herum spielt den vornehmen Edelmann usw
Fanny ist unbemerkt aufgetaucht und beobachtet ihn heimlich muss über ihn lachen usw
Labakan stößt aus Versehen mit Fanny zusammen

FANNY.
Ihro Durchlaucht verzeihen Sie
ich war mir dessen nicht gewahr
dass heut uns so hoher Besuch
ins Haus schneit ach wie wunderbar

LABAKAN.
(es ist die Tochter Meistern Wilms)
hör Fanny was ich da gemacht
muss doch dein Vater nicht erfahrn
denn ist erst seine Wut entfacht

FANNY.
was seid Ihr für ein seltner Vogel
ich weiß gar nicht wovon Ihr sprecht
Ihr seid wohl gar kein Edelmann
der mich zu duzen sich erfrecht

Labakan zieht das Kleidungsstück aus und tritt ganz nah an Fanny heran

LABAKAN.
ach, lassen wir das Possenspiel
s bleibt unter uns? ich fleh dich an

Fanny hält ihm ihre Lippen hin, aber Labakan geht nicht darauf ein

FANNY.
(ach, hätt er mich doch jetzt geküsst
was für ein liebesblinder Mann)

Meister Wilm tritt auf
er bringt ein sehr fürstliches Gewand mit
Fanny nimmt schnell eine unverfänglichere Position ein

MEISTER WILM.
Geselle Arbeit bring ich dir
da gilts sehr sorgfältig zu sein
des Königs Vetter ist dies Tuch
dass du es mir nur flickst recht fein
und du Tochter schwarwenzel mir
nicht um den jungen Labakan
der arme Schlucker taugt zum Mann
nicht brauchst nen reichen Bräutigam

Meister Wilm geht ab
Labakan ist so in den Anblick des fürstlichen Gewandes vertieft dass er Fanny nicht wahrnimmt die alles mitkriegt
er zieht das Gewand an

LABAKAN.
welch ein Gewand und wies mir steht
mich drängt es in die Welt hinaus
ab heute bin ich Edelmann
und lass den Schneider hier im Haus

Labakan geht ab

FANNY.
ach Liebster ich will bei dir sein
er geht was will ich dann noch hier?
ich folge dir reise dir nach
und teil jede Gefahr mit dir

Fanny will hinterher da bleibt ihr Blick an einem Männergewand hängen
sie zieht es im Abgehen an

ZWEI Labakan. Fanny. Rosshändler. Erstes Ross. Zweites Ross. Ottokar.

Labakan im Fürstengewand und Fanny als Bursche verkleidet begegnen sich

FANNY.
he Wanderer so bleibt doch stehn
ich seh Ihr seid ein Edelmann
doch dass zu Fuß Ihr unterwegs
steht Euch als solcher doch nicht an

LABAKAN.
nun Bursche es ist so – nun ja
mir ist mein Pferd davongelaufen
nur deshalb gehe ich zu Fuß
muss mir nen neuen Gaul erst kaufen
wie heißt du?

FANNY.
Fan- Fantasimo.

LABAKAN.
willst du als Diener mich begleiten?
Für guten Lohn

FANNY.
ja gern – seht dort
da kriegt für Geld Ihr was zu reiten

ROSSHÄNDLER.
Ihr Herren seid gegrüßt ich nehm
mal an ihr sucht nach einem Tier
auf dem man reiten kann? bittschön

FANNY.
die zwei? mehr hast du grad nicht hier?

ROSSHÄNDLER.
das ist die ganze Kollektionnun zugegeben sie ist klein
doch Quali- geht vor Quantität
die Klepper hier sind wirklich fein

FANNY.
und beide Rösser heißen Hugo*?

* in den Inszenierungen trugen die Rösser als Verkleidung T-Shirts mit der Aufschrift HUGO das ROSS als Parodie auf das HUGO BOSS Label

ROSSHÄNDLER.
seht her wie prachtvoll sind die Zähne

FANNY.
sie heißen Hugo alle beide?

ROSSHÄNDLER.
und was für eine schöne Mähne

FANNY.
warum heißen sie beide Hugo?

ROSSHÄNDLER.
alleine schon der Glanz der Haare

FANNY.
warum sie beide Hugo heißen?

ROSSHÄNDLER.
warum? verdammt s ist Markenware

LABAKAN.
ich nehme das was soll es kosten?

ROSSHÄNDLER.
elf Taler wenns dem Herrn gefällt

FANNY.
elf Taler für die Hungermähre?

LABAKAN.
lass gut sein es ist ja nur Geld
mehr als zehn Taler hab ich nicht

Labakan zählt sein Geld in die Hand des Roßhändlers

ROSSHÄNDLER.
elf Taler ich muss drauf bestehn

FANNY.
der Halsabschneider – kommt mein Herr
wir wolln zu Fuß nur weitergehen

Ottokar tritt auf
er hat die letzten Worte gehört und drückt dem Rosshändler einen Taler in die Hand

OTTOKAR.
so wär der Handel abgeschlossen
das andre Roß nehm ich für mich
hier dieser Beutel Gold sollt reichen
und jetzt du Gauner schleiche dich

LABAKAN.
mein Herr wie soll ichs Euch nur danken?

OTTOKAR.
begleitet mich denn auf die Weise
kommt keine Langeweile auf so heißt es
hat man Gesellschaft auf der Reise

sie traben auf den Rössern davon gefolgt von Fanny

Ottokar und Labakan pausieren und sitzen sich gegenüber
im Hintergrund Fanny mit den Rössern die heimlich lauscht
Ottokar erzählt gerade

OTTOKAR.
so wuchs ich auf bei treuen Freunden
die gar nicht meine Eltern sind
erst gestern hab ich es erfahren
ich bin des Herrscherhauses Kind
und heut zur zwölften Stunde soll
des Königs Sohn Prinz Ottokar
ich meinen wahren Vater sehn
zum ersten Mal nach zwanzig Jahr´
der Treffpunkt nennt sich Publikum
und dass mein Vater mich erkenne
soll ich ihm zeigen diesen Dolch
wenn ich ihm meinen Namen nenne

sie legen sich alle hin
Labakan kann nicht einschlafen

LABAKAN.
ich nur ein falscher Edelmann
in einem ausgeborgten Kleid
und der da ist ein echter Prinz?
wie frisst in mir der blanke Neid

Labakan sieht den Dolch neben Ottokar liegen
er schleicht sich an ihn heran
Fanny wacht auf und beobachtet ihn besorgt
Labakan nimmt den Dolch und kämpft mit seinem Gewissen
er erhebt den Dolch um zuzustoßen aber Fanny hält ihn zurück

FANNY.
nein nicht wozu willst du ihn töten?

LABAKAN.
ich will an seiner Stelle sein

FANNY.
so stiehl ihm Dolch und Ross und finde
beim Publikum zuerst dich ein

Labakan steckt den Dolch ein
Fanny und er reiten mit den Rössern davon
Ottokar erwacht und gerät in Verzweiflung
Der Rosshändler tritt auf betrunken

OTTOKAR.
mir ahnt Betrug ich muss ihm nach
doch ohne Ross komm ich nicht weit

ROSSHÄNDLER.
mein Herr kannich su Diensddn sein?

OTTOKAR.
der Kerl da kommt zur rechten Zeit

Ottokar reitet auf dem Rosshändler davon

DREI Labakan. Fanny. König. Melina. Ottokar. Rosshändler.

Im Hintergrund Fanny und die Rösser
Der König von Melina begleitet tritt aus dem Publikum
Labakan kniet vor ihm und reicht ihm den Dolch

LABAKAN.
mein König ich bin Ottokar
dein Sohn

KÖNIG.
du bist es ja fürwahr
umarme deinen alten Vater
mein lang vermisster Ottokar

Ottokar tritt auf und wirft sich dem König zu Füßen

OTTOKAR.
nein Vater ich ich bin der Prinz
und dieser Gauner da ists nicht

Melina packt Ottokar

OTTOKAR.
so lass mich los ich bin der Prinz
pack lieber diesen Bösewicht

LABAKAN.
mein Vater dieser rückt mir schon
den ganzen Weg nicht von der Pelle
ich glaub man nennt ihn Labakan
s ist ein verrückter Schneiderg´selle

der König gibt Melina ein Zeichen die darauf Ottokar fesselt
der König mit Labakan ab Melina folgt mit Ottokar
Fanny folgt ihnen mit Abstand

VIER Königin. Zaide. Fanny. Melina. Ottokar. Labakan. König.

die Königin liegt schlafend im Bett
Melina umsorgt sie und geht dann hinaus
während sich Fanny unbemerkt in das Zimmer schleicht läuft der Traum der Königin ab
Zaide erscheint ihr und zeigt ihr Ottokar

ZAIDE.
schau Königin in deinem Traum
zeig ich die Fee Zaide dir
den Sohn den du so lang entbehrt
Prinz Ottokar ist dieser hier

Zaide und Ottokar verschwinden
die Königin erwacht und sieht Fanny
Melina taucht auf will ins Zimmer bleibt aber an der Tür stehen und lauscht

KÖNIGIN.
bist du die Fee aus meinem Traum?

FANNY.
nein, bin ein armes Mädchen bloß
ich bitt nehmt mich zur Dienerin

KÖNIGIN.
so seis dein Kummer scheint mir groß

die Königin klingelt nach Melina
Melina kommt mit einem Kleid welches sie der neuen Dienerin anzieht
die Königin frisiert Fanny höchstpersönlich was Melina mit Neid zur Kenntnis nimmt
die Königinsetzt sichauf einenThron umgeben von ihren zwei Dienerinnen
der König und Labakantreten auf

KÖNIGIN.
das soll er sein Prinz Ottokar
mein Sohn? o nein der ist es nicht
den Sohn sah heute ich im Traum
und dies hier war nicht sein Gesicht

KÖNIG.
was redest du da Weib von Träumen
dieser da ists er hatte doch
bei sich den Dolch das sichre Zeichen
hier ist er – wie du zweifelst noch?

Ottokar tritt auf das Seil noch am Handgelenk
Melina will ihn packen

KÖNIGIN.
so halte ein – tritt vor mich hin

OTTOKAR.
ich bin

KÖNIGIN.
ich weiß mein Sohn drum schweig

OTTOKAR.
du weißt?

KÖNIGIN.
ich weiß denn du warst es
den mir die Fee im Traum gezeigt

KÖNIG.
o nein mein abergläubisch Weib
dieser da ists und ich hab recht
ich bin der König irr mich nie
weh Euch wenn Ihr mir widersprecht

der König legt den Arm um Labakan und geht mit ihm ab
ihnen folgt Melina mit dem gefesselten Ottokar
die Königin ist betrübt Fanny tröstet sie
Melina kommt zurück will die Königin trösten aber diese beachtet sie nicht
die Königin lässt sich von Fanny wegführen die später zurückkommt

MELINA.
da schleicht doch diese Lumpendirne
bei Hof sich ein und ins Vertrauen
der Königin und du Melina?
willst wie der Pöbel hier zuschauen?
o nein ich weiß zu meinen Gunsten
die Ding´ zu drehn falsch ist der Prinz
sie kennt ihn wie sie ansah ihn
ist gar verliebt ihn ihn? ich bins –
wie geht’s der Königin?

FANNY.
sie ruht

MELINA.
und dir?

FANNY.
ach

MELINA.
ach klingt gar nicht gut
lass uns zusammen hier verweilen
und schwesterlich die Sorgen teilen
geht’s um den Prinz?

FANNY.
ja im Vertrauen
der Prinz ist nicht der Prinz

MELINA.
sieh an

FANNY.
ein Schneider ist er den ich liebhab

MELINA.
(und der bald werden wird mein Mann)

FANNY.
wenns rauskommt steht er als Betrüger
da und es wird ihm schlecht ergehn
doch Prinz bleiben kann er ja auch nicht
wie löse ich nur dies Problem?

MELINA.
sei unbesorgt ich werd es lösen
du schweige nur und sei schön still
alles wird gut
(für mich gut Dummchen
ich kriege immer was ich will)

sie gehen ab

FÜNF Königin. Melina. König.

die Königin liegt verzweifelt auf ihrem Bett
Melina tritt zu ihr und tröstet sie

MELINA.
Herrin ich weiß wie man dem König
die Augen öffnen kann

KÖNIGIN.
sprich wie?

MELINA.
wenns mir gelingt wollt Ihr zwei Wünsche
erfüllen mir?

KÖNIGIN.
wie lauten sie?

MELINA.
zuerst entlasst die neue Zofe
ich hasse sie wills nicht verhehlen
dann sollt den süßen Scharlatan
zur Strafe Ihr mit mir vermählen

KÖNIGIN.
so seis nun nenn mir deinen Plan

Melina redet weiter während der König zur Königin ins Bett will
die Königin führt aus was Melina beschreibt

MELINA.
den König lasst nicht an Euch ran
wenn er sich bettelnd an Euch schmiegt
bis Ihr ihn so sehr weich gekriegt
dass er zu tun alles verspricht
dann sprecht

KÖNIGIN.
ich wünsche weiter nichts
als dass du morgen beide sie
die Hoheit und ihre Kopie
ein schönes Kleid mir schneidern lässt

MELINA.
so finden wir heraus wer Schneider
wer Prinz ist Kleider machen Leute
nicht nur auch Leute machen Kleider

SECHS Labakan. König. Königin. Fanny. Melina. Ottokar. Zaide.

Labakan und Ottokar beim Schneidern des Kleides
Labakanarbeiteterfreut und eifrig
Ottokar verzweifelt an dem noch unbearbeiteten Stoff
im Hintergrund die anderen sie kommentieren den Wettbewerb mimisch
schließlich ertönt das Signal dass der Wettbewerb beendet ist
die Kandidaten stehen auf und präsentieren ihr Werk
Labakan ein wunderschönes Kleid Ottokar den Stoff wie er zuvor war

KÖNIG.
nun siehst du Weib wer königlicher
von diesen beiden Männern ist
solch fürstlich Kleid kann nur ein Prinz dir

KÖNIGIN.
ach wie verbohrt du manchmal bist
ein Prinz ein Pferd zu reiten weiß
zu dichten und ein Schwert zu schwingen
ein Kleid zu schneidern gleichviel welches
kann einem Schneider nur gelingen
und somit hast du den Beweis
das ist dein Sohn und er der Sieger
ist höchstwahrscheinlich Labakan
Schneidergeselle und Betrüger

KÖNIG.
die Probe überzeugt mich nicht

KÖNIGIN.
nun eine zweite mir gewähr

KÖNIG.
gut

KÖNIGIN.
doch ihr Ausgang sei entscheidend
und dann

KÖNIG.
zweifle ich nimmermehr

die Königin macht ein Zeichen worauf die Fee mit zwei Kisten erscheint
auf einer steht EHRE UND RUHM auf der anderen GLÜCK UND REICHTUM

ZAIDE.
ich weiß warum du mich gerufen
siehst du die beiden Kisten da?
die Jünglinge solln eine wählen
und dann wird Wahrheit offenbar

alle stehen um die Kisten herum.
Labakan tritt vor überlegt und geht dann zur Kiste GLÜCK UND REICHTUM

LABAKAN.
gibt’s Edleres denn als den Reichtum
Eur´ Gnaden größres als das Glück
der Sohn zu sein von euch? so weis ich
Ehre und Ruhm für mich zurück.

Labakan tritt zurück Ottokar vor

KÖNIGIN.
du auch?

OTTOKAR.
nein Mutter Ruhm und Ehre
wähl ich die letzten Tage lehrten
mich wie vergänglich Reichtum ist
wie unsicher das Glück

KÖNIGIN.
so kehrt denn
zu eurer Kiste nun zurück
der eine öffne Ruhm und Ehre
der andere Reichtum und Glück

sie treten zu ihren Kisten und öffnen sie
Ehre&Ruhm = Zepter und Krone
Glück&Reichtum = Nadel und Schere

KÖNIGIN.
so kam die Wahrheit nun ans Licht

KÖNIG.
du Schneider wirst morgen gehenkt

FANNY.
o nein

LABAKAN.
verzeiht

OTTOKAR.
dir sei verziehn
das Leben dir von mir geschenkt

KÖNIG.
mein Sohn so spricht ein wahrer Prinz

KÖNIGIN.
hört was ich hiermit geb bekannt
du nimmst Melina dir zur Frau
und du wirst aus der Stadt verbannt

FANNY & LABAKAN.
warum denn -?

KÖNIGIN.
schweigt weil ich es will
dass mir hier keiner widerspricht

KÖNIG.
mein liebes Weib

KÖNIGIN.
und du Gemahl
ders immer besser weiß auch nicht

König und Königin gehen streitend ab Ottokar beschwichtigend hinterher
Melina will Fanny abführen
Zaide wirft Fanny einen Schleier über die dadurch unsichtbar wird
sie bleiben unsichtbar im Hintergrund
Melina versucht Labakan zu verführen
Labakan gibt sich ungerührt von Melinas Reizen

LABAKAN.
Melina du bist wunderschön
doch sagt mein Herz mir ach vergib
ich wusst es bis jetzt selber nicht
hab meines Meisters Tochter lieb

Melina geht verärgert ab
Fanny freut sich

SIEBEN Labakan. Meister Wilm. Fanny.

Meister Wilm läuft wütend und besorgt umher
Labakan eilt ihm entgegen

MEISTER WILM.
ha Schuft du wagst dich noch hierher?

LABAKAN.
Fanny wo ist sie?

MEISTER WILM.
das fragst du?
du hast sie selber doch entführt
und noch des Fürsten Tuch dazu

LABAKAN.
das Tuch hab ich gebs Euch zurück
doch eure Tochter hab ich nicht
entführt

MEISTER WILM.
ich glaube dir kein Wort
du Schuft ich bring dich vors Gericht
indes den Wachtmeister ich hole
wirst du mir vierzig Röcke schneidern
für jeden Rock den du nicht schaffst
gibt’s einen Stockhieb Hungerleider

LABAKAN.
(o je wie soll ich vierzig Röcke
bloß schneidern in so kurzer Frist?
ich bin zwar flink doch selbst für mich
zu meistern das unmöglich ist)

Fanny als Bursche verkleidet tritt auf

MEISTER WILM.
Bursche mir aus dem Weg

FANNY.
seid Ihr
der Meister Wilm?

MEISTER WILM.
der bin ich und?

FANNY.
wollt Eure Tochter wiederhaben
Ihr noch in dieser selben Stund?

MEISTER WILM.
wo ist sie wo?

FANNY.
nicht weit von hier
doch wollt Ihr sie zurück so schwört
dass Ihr dem Labakan verzeiht
und Fanny falls sie ihn erhört
zur Frau ihm gebt

MEISTER WILM.
ich will es schwörn

FANNY.
so schwört

MEISTER WILM.
bei Gott?

FANNY.
bei Eurem Leben

MEISTER WILM.
ich schwörs bei meinem – wo ist sie?

FANNY.
wo Ihr steht steht sie gleich daneben

Fanny gibt sich ihm zu erkennen
Meister Wilm umarmt sie und geht ab

LABAKAN.
oh Fanny du bist wieder da
ich

FANNY.
hast du mir etwas zu sagen?

LABAKAN.
dein Vater suchte dich

FANNY.
du nicht?

LABAKAN.
ich? ja ich wollte dich nur fragen

FANNY.
nun?

LABAKAN.
sieh die Stühl´ fein aufgereiht
ists wunderhübsch nicht hierherum?
wie heute doch die Sonne lacht
und manchmal gar das Publikum

Fanny tritt ganz nah an ihn heran

LABAKAN.
sie steht so nah mir wird ganz flau

FANNY.
was redest du denn da fürn Stuß?

LABAKAN.
was eigentlich ich sagen will
ich glaub ich geb ihr einen —

Meister Wilm tritt auf

FANNY.
Vater was ist du schaust so bleich
hast du denn ein Gespenst gesehn?

MEISTER WILM.
so ähnlich ein Miraculum
das mein Verstand nicht kann verstehn
sah alle vierzig Röcke schneidern
Nadel und Schere ganz allein
in Windeseil´ ohne die Hilfe
von Menschenhand – wie kann das sein?

LABAKAN.
ich kanns erklär´n von einer Fee
bekam ich Nadel und auch Schere
denn ich entschied mich für das Glück
womit hier wohl bewiesen wäre
dass richtig ich gewählt und Reichtum
ist auch mit drin auf lange Sicht
wir können jeden Auftrag meistern
schnell und die Kasse klingelt – nicht?

MEISTER WILM.
ach Schwiegersohn was bin ich froh
du bist der beste aller Schneider
und dank der Zauberutensilien
bleibst du nun auch kein Hungerleider

Schluss-Lied:

LABAKAN.
Ihr Freunde ich heiß Labakan
und bin Schneidergesell
geschickt üben mein Handwerk aus
jetzt mir Scher und Nadel schnell
doch werd nicht faul ich küsse dich
in einem fort dass gar
die Wange glüht dir und der Mund
und noch anderes fürwahr
fürwahr

nun träum ich nicht mehr dass ich etwas Besseres wäre
will nicht mehr Prinz sein was soll ich mit Ruhm und mit Ehre
Zepter und Krone brauch ich nicht hab Nadel und Schere
all meine Träume von Adel
häng ich hiermit an die Nadel

nun träum ich nicht mehr dass ich etwas Besseres wäre
will nicht mehr Prinz sein was soll ich mit Ruhm und mit Ehre
Zepter und Krone brauch ich nicht hab Nadel und Schere
all meine Träume von Adel
häng ich hiermit an die Nadel

ALLE.
hängt er hiermit an die Nadel

E N D E