WIDMUNG
wenn Vertrautheit und letzte Hoffnung Dich verlassen
niemand mehr auf deiner Seite
denke daran
es gibt einen der nie aufhören wird Dich zu lieben
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BEVORZUGUNG
ich kann auf einer Wiese liegen stundenlang
und träumen von dir
doch viel lieber täte ich stundenlang liegen auf einer Wiese
und träumen mit dir
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BILD IM SCHATTEN
in den Höfen und Gärten hinter Häusern spielen Kinder
lachen und jubeln weil das Leben so unbeschwert ist für sie
mit leuchtend fröhlichen Augen und voll von Leben laufen sie hinaus auf die Straßen und Felder
tanzen und singen weil sie ein Gefühl der Geborgenheit in sich tragen
und dann wird getrübt von düster grauem Schatten das Bild
überschattet von unmenschlichem Unheil der sich heranbahnenden Zeit
die Schatten der Flügel brummender fliegender Ungeheuer
von Menschen gemacht und gelenkt
großzügig Vernichtung verschenkend in Form von Feuer und Napalm
in eine Hölle verwandeln sie die Idylle des Bildes
in den Höfen und Gärten hinter brennenden Häusern liegen Kinder
weinen und schreien weil das Leben sie verlässt
mit apathisch aufgerissenen Augen und ohne Leben liegen sie verstreut auf den Straßen und Feldern
stumm und regungslos die Geborgenheit freigelegt wie ihre Gedärme
in den Höfen und Gärten sehe ich spielende Kinder
oder ich sehe sie tot herumliegen hinter brennenden Häusern
wenn wir langsam den Schatten ziehen über das Bild
wenn wir das Bild überschatten mit unserer eigenen Unmenschlichkeit
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DEIN NAME
ich sage Deinen Namen so gerne
wenn es still ist überall
Du heißt wie eine ausgesprochene Blume
so lebendig und duftend und schön
ich sage Deinen Namen so gerne
weil er mich aufblühen lässt
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FERNSEHEN
zwischen Tennis und Tütensuppe
zwischen Fruchtquark und Familienschnulze
zwischen Gruselfilm und Gesichtswasser
zwischen Katzenfutter und Komödie
zwischen Hitparade und Haferflocken
zwischen Lutschbonbons und Lottozahlen
zwischen Western und Weichspüler
sehen wir die Welt ein bisschen untergehen
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FREIHEIT GRENZENLOS
dichten
seine Phantasie ausleben
Eier aufklopfen
aus der nackten Kalkschale das im Innern Verborgene freilegen
im Sumpf angeln
warten bis etwas aus der Tiefe des Morastes hochtaucht
dichten
Land der unbegrenzten Möglichkeiten
dichten
Freiheit grenzenlos
ich kann zum Beispiel dieses Gedicht beenden wie ich will
ob es Euch gefällt oder nicht
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GLEICHGÜLTIGKEIT
so mancher Mensch würde immer noch denken
ist doch gar nichts passiert
wenn die Welt dem Erdboden gleichgemacht ist
und sein Haus noch steht
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GOTT
Gott du bist
Du bist der Gott der Menschen
Du bist der Gott der Juden und Christen
Du bist der Gott der Hindus und Moslems
Du bist der Gott der Glaubenden
Du bist der Gott der Nichtglaubenden
Du bist mein Gott und unser Gott und Gott
Du bist der Gott aller Menschen
an welchen Gott wir auch immer glauben
Du Gott Du allein bist gemeint
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GUERNICA
der Stier
lautlos brüllend den Schmerz der Zerrissenheit
das Pferd
lautlos wiehernd gegen das grelle Licht der Pein
die Mutter
lautlos klagend über dem leblosen Kinderbalg
die Gefangene
lautlos schreiend aus dem Kerker des Lebens
die Verwundete
lautlos schleifend das entstellte Bein
sieht nicht mehr den Hoffnungsschimmer in der ausgestreckten Hand
die Augen mit Blut und Tränen bedeckt
wehrlos liegt einer am Boden
die lautlose Warnung wird nicht mehr kommen
Federtier der Liebe verwundet
kaum noch Hoffnung auf Leben
Bild des lautlosen Grauens
wie oft noch wollen wir es entstehen lassen?
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IRGENDWANN KOMMT DIE ZEIT WIEDER
irgendwann kommt die Zeit wieder
wo sie uns unterdrücken
irgendwann kommt die Zeit wieder
wir haben es nicht anders gewollt
irgendwann kommt die Zeit wieder
wir haben ihnen die Freiheit in den Schoß gelegt
irgendwann kommt die Zeit wieder
was wir dürfen bestimmen nur sie
irgendwann kommt die Zeit wieder
wo der Hass die Menschen trifft die nicht sind wie sie
irgendwann kommt die Zeit wieder
sie werden mich aus dem Land jagen
irgendwann kommt die Zeit wieder
wenn ich bleibe töten sie mich
irgendwann kommt die Zeit wieder
ihr werdet mich nicht mehr lesen dürfen
irgendwann kommt die Zeit wieder
wenn ihr noch lebt sehen wir uns nach dem Krieg wieder
irgendwann kommt die Zeit wieder
ich schrieb euer Leid aus der Ferne
irgendwann kommt die Zeit wieder
nie habe ich mich gut gefühlt in der Zeit
irgendwann kommt die Zeit wieder
wenn wir es zulassen
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KAPITÄN DER SEE
Kapitän der See
Du wolltest fremde Länder kennenlernen
Kapitän
nun sollst Du die Schiffe fremder Länder versenken
Pilot der Luft
Du wolltest fremde Städte von oben sehen
Pilot
nun sollst Du fremde Städte versengt hinter dir lassen
Gefährte der Erde
Du wolltest fremde Menschen um dich haben
Gefährte
nun sollst Du fremde Menschen aus deiner Welt löschen
Kapitän und Pilot und Gefährte
mach was Du willst und sei nicht hörig
sie wollen Deine Träume in Schutt und Asche haben
lebe Du den Traum vom Frieden
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KLEINER UNTERSCHIED
geht die Sonne unter geht sie wieder auf
und die Welt?
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KLEINES LIEBESGEDICHT
Du
ich liebe Dich
Du bist
mein liebstes Gedicht
und so ist dies Gedicht nur für Dich
dieses kleine Gedicht
das mein liebstes ist
gleich nach Dir
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LIEBESGEDICHT AN IRGENDEINE BESTIMMTE FRAU
ich möchte hüpfen weil es Dich gibt
zwischen unserem Alltag eine Brücke bauen
ich möchte mit Dir zusammen sein
einfach sinnlos durch die Straßen spazieren
ich möchte Dir alles erzählen
Deinen Worten unendlich lang zuhören können
ich möchte mit Dir unter Bäumen sitzen
in Deinen Armen das Leben vergessen
ich möchte Deine Träume auffangen
alles stehen lassen Deinen Schmerz zu lindern
ich möchte lauter alberne Sachen tun
Dir deutlich machen wie viel Du für mich bist
ich möchte traurig sein in Deiner Abwesenheit
jede Sekunde Sehnsucht nach Dir haben
ich möchte mich an Deinen Augen erfreuen
beim Wiedersehen Deine Lippen berühren
ich möchte meine Zeit mit Dir teilen
jeden meiner Gedanken auf dein Sein beziehen
ich möchte Dein süßes Lachen genießen
verrückte Pläne über unsere Zukunft schmieden
ich möchte meinen Kopf in Deinen Schoß legen
Deine Haut im Dunkel unter mir spüren
ich möchte Dich nie verlieren
Deinen Abschied als höllischen Schmerz empfinden
ich möchte Dich
Dir eines Tages diese Zeilen vorlesen
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MEINE TRAUMFRAU
meine Traumfrau hat helle oder dunkle Haut
die Farbe ihrer Augen ist blau braun grün oder schwarz
sie hat glattes lockiges oder krauses Haar
sie ist rothaarig schwarzhaarig brünett oder blond
sie ist groß oder klein mollig oder schlank
sie spricht diese oder jene Sprache
sie ist arm oder reich glaubt an Gott oder nicht
und wir sollten uns lieben
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MENDEBRUNNEN
hoch oben thront ein goldener Stern
schau auf ihn und Du siehst ihn wanken
Taubenflugplatz und Wasserspucker
historisches Denkmal und Touristenattraktion
viel mehr ist er
ewiger Zeuge unaufhaltsamen Widerstands
Engel Nixen und Fabelgetier
stumme Mitstreiter gegen das Unbegreifliche
Symbol in einer Stadt voll von Gebeutelten
im Schatten drückender Gleichgültigkeit
schwarz behangen im heißen Winter
in der Zeit der kalten Körper im weißen Sand
nie soll sein sprudelndes Leben verlischen
nie die Hoffnung der gegen den Strom Schwimmenden
sie werden immer wieder kommen
Mendebrunnen Karl-Marx-Platz
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MENSCHEN
eines haben die Menschen gemeinsam
sie sind verschieden
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NACH DEM KRIEG
nach dem Krieg sind die Häuser Ruinen
die Straßen Ruinen die Städte Ruinen
nach dem Krieg sind die Felder Ruinen
die Gewässer Ruinen die Wälder Ruinen
nach dem Krieg sind die Menschen Ruinen
die Soldaten Ruinen die Familien Ruinen
nach dem Krieg ist die Zukunft Ruine
das Glück Ruine der Alltag Ruine
vielleicht auch die Hoffnung
Ruine
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PLÖTZLICH TÖTEN SIE SICH
gestern war noch Alltag
Menschen lieben und leben miteinander
mit der Zeit werden die einen zu anderen
plötzlich töten sie sich
wenn die einen vergessen dass sie Menschen sind
Menschen wie die anderen auch
vergessen dass sie eine Familie sind
nur der Name zählt noch den man ihnen gab
ihre Namen sind nur Illusion
das Weinen ihrer Kinder Wirklichkeit
das Weinen ihrer Kinder im tobenden Wahnsinn
das Weinen der Kinder ist überall gleich
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SCHLUSSFOLGERUNG
manche sagen
nur ein bekannter Dichter ist ein guter Dichter
demnach könnte
nur ein schlechter Dichter ein bekannter Dichter werden
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SUCHT
wissen welche Folgen es haben wird
ausprobieren
sich einreden man hat sich unter Kontrolle
weitermachen
feststellen ohne geht es nicht mehr
verzweifeln
sich wünschen davon loszukommen
sich erinnern
wissen welche Folgen es hat
zu spät
Sucht
hätte man gar nicht erst angefangen
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TAG UND NACHT
jeder Tag der geht
spült den Schmerz und das Leid und die Sorgen mit sich fort
spült sie hinein in die dunkle Nacht
erst der nächste Tag gibt alles wieder heraus
so freue ich mich nach einem Tag auf die Nacht
genieße die Ruhe der Nacht
und irgendwann nimmt der Tag der geht
den Schmerz und das Leid und die Sorgen mit
und gibt sie nicht wieder heraus
dann brauche ich endlich die Nächte nicht mehr
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Hier noch zwei einzelne Gedichte aus demselben Zeitraum:
ALLES
alles verliert sich in ferner Erinnerung
alles was ich erlebt habe
ich könnte schon weg sein
der Moment würde gar nicht passieren
am Ende ist der Tod
ganz gleich wie mein Leben sich füllt
warum verzagen über das nicht Gemachte
das Leben hat nicht DU MUSST gesagt
meine Geschichte geht irgendwie
dann geht sie zuende
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VATER
Vater Du hast mir zum Leben verholfen
als Du Deinen Samen gabst der Frau die Du liebst
Du hast mich auf Deinen Armen getragen
als ich hilflos war und nicht fähig zu laufen
Du hast mir alles gegeben wenn ich etwas brauchte
Du hast nie etwas zurückgewollt
Du hast mich gelehrt was es heißt menschlich zu sein
unter Deiner Liebe bin ich zum eigenen Ich geworden
Du begleitest mich auf meinem Weg in Sorge um mich
auch wenn ich den Weg alleine gehe
Vater ich brauche Dich
ich will weiterhin ein Stück in Deinem Schatten gehen
manchmal reiße ich mich auch fort von Dir
denke aber nie dass ich nicht zu Dir zurückkehren werde
Vater ich liebe Dich
ich werde da sein wenn du mich brauchst